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Von 10. Jannuar bis zum 29. März 2008

Der künstlerische Werdegang Alfredo Chighines (Mailand 1914 – Pisa 1974) spannt einen weiten Bogen: Von der figürlichen Malerei seiner Anfänge (bis in die frühen fünfziger Jahre) hin zu seiner Rückkehr zum Naturmotiv (insbesondere der vegetabilischen Welt) im Laufe der siebziger Jahre, die am Ende seines Lebens in Wirklichkeit einen Neubeginn markiert.
Und in der Zwischenzeit? Dazwischen, nachdem er die Ufer der Figuration verlassen hat, um den Weg der freien Abstraktion und des Informel einzuschlagen, die lange faszinierende Reise durch den wild bewegten glänzenden Ozean der puren Malerei. In diesen Jahren schwingt seine Malerei ganz vorne mit den grossen europäischen und internationalen Kunstströmungen, findet aber gleichzeitig zu ihrer ureigenen Stimme, mit der sich Chighine einen eigenständigen Klang innerhalb der Abstufungen von Abstraktion und Informel erringt.
Allerdings sind ihm diese Kategorien beide zu eng, vor allem letztere, hält er doch immer eine (wenn auch mitunter bis aufs äusserste gefilterte, subtile) Verbindung zu den Gegebenheiten der Natur. Wohl reduziert er das landschaftliche Element bis auf seine Essenz, lässt es jedoch immer wieder aufklingen – in einer Grundtönung, einer chromatischen Stimmung, der vibrierenden Bewegung der Zeichen. Hier kündigt sich schon seine darauffolgende Rückkehr zur Natur an.
Auch spürt Chighine stets, im Gegensatz zu den formauflösenden Tendenzen des extremen Informel, den Drang zu einer klaren Gliederung der Bildfläche. Farben und Formen bleiben unter Kontrolle, suchen sich oder stossen sich ab als kompakte chromatische Flächen auf einem stützenden Tableau.
So begegnet man in Chighines Kunst nicht nur einem grossartigen Abschnitt lombardischer und europäischer Malerei, sondern in Inhalt und Form der Zwiefaltigkeit des Lebens: Schwere und Leichtigkeit, dichte Materie und Licht der spiegelnden Oberflächen, Stabilität und Bewegung, Stillstand, Ausbruch und Energie (insbesondere in den der Farbmaterie eingeritzten Zeichen).
So setzt Chighine diese seine formale Ordnung gegen Auflösung und Sinnverlust, schafft mit seiner Malerei ein Abbild der vielfältigen dem Leben zugrundeliegenden Spannungen und Energien.

Text: Claudio Guarda
Übersetzung: Silke Balemi

Alfredo Chighine
Mailand 1914 – 1974 Pisa

Alfredo Chigine wird am 9. März 1914 als Sohn eines sardischen Immigranten und einer Lombardin geboren.
Die ungünstigen wirtschaftlichen Verhältnisse der Familie zwingen ihn, sich schon in jungen Jahren als Fabrikarbeiter zu verdingen. In den frühen dreissiger Jahren schafft er es dennoch, sich an der Umanitaria, einer Berufsschule, einzuschreiben, wo er mit Franco Francese den Kurs für Gravur besucht; es folgt, wenn auch unregelmässig, ein Abendkurs in Monza für Metallbearbeitung.
Zu Beginn der vierziger Jahre weist eine Serie Skulpturen sowohl die Einflüsse Arturo Martinis als auch romanischer Bildhauerkunst auf: Was Chigine interessiert, ist nicht die Psychologie seiner Figuren, sondern ihr struktural-architektonisches Gerüst, die räumliche Anordnung der Massen.
1945 schreibt er sich an der Akademie Brera bei Manzù in der Bildhauerklasse ein, neigt sich nunmehr aber immer klarer der Malerei zu. Hier schöpft er in expressionistischer Weise, immer weiter hin zur Abstraktion führend, das Potenzial von Farbe und Zeichen aus.
Schon zu Ende der vierziger Jahre liegt Chigines Interesse klar bei der inneren Gliederung der flächig aufgefassten Bildebene, auf welcher mehrere chromatische Schichtungen einander entgegengesetzt werden, wobei die Farbe immer mehr vergeistigt wird. Auf diesem Weg nähert er sich – allerdings in vollständiger Eigenständigkeit – immer mehr der informellen Malerei an. Titel und Farbigkeit seiner Gemälde lassen Chigine oft den „Letzten Naturalisten“ zuordnen. Allerdings gehört er, so sehr er auch durch die Natur angeregt wird, einer entschieden weniger naturalistischen Strömung an.
Zunächst in der Betonung des Gestischen, dann in grossflächigen Verschachtelungen mit dem Spachtel aufgetragener, cromatisch abgestufter Farbmaterie, löst sich Chigines Malerei zunehmend von naturalistischer Beschreibung, um reine Erkundung chromatischer Stufungen verschiedener Farbe, Lichtes und Dichte zu werden.
Am 16. Juli 1974 stirbt Alfredo Chigine in Pisa.

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