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Vom 13. September bis zum 31. Dezember 2010

Mit dieser vierten und letzten Ausstellung beschliesst die Galerie Matasci ihre 2002 begonnene Umkreisung und Neubesichtigung des Werkes des Mailänder Malers Franco Francese (1920 – 1996). Die treibende Inspiration bleibt noch immer die gleiche, das heisst, „die gebührende Aufmerksamkeit auf sein Werk zu richten, die ihm zugrundeliegenden Triebkräfte und Motivationen herauszulesen, um die kritische Debatte neu zu beleben“, aber auch die Vielschichtigkeit von Themen und Formen einer sehr persönlichen künstlerischen Produktion darzulegen, die sich aus dem Kontext der lombardischen und italienischen Kunst der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts hervorhebt und herausragt.
Die Schau konzentriert sich auf seine letzten grossen Zyklen und stellt neben einige bedeutende Gemälde, welche die Ausstellung rhythmisieren, eine Reihe von Zeichnungen, Temperamalereien und Gemälden, welche die für Francese so typische sorgfältige ausdauernde Arbeit an der Bildfindung aufzeigen.
Zur Ausstellung erscheint ein von Claudio Guarda bearbeiteter Katalog – der vierte der Serie, der von einer ausführlichen Anthologie der Kritik beschlossen wird.

Franco Francese ist eine beispielhafte Persönlichkeit von komplexem intellektuellem Werdegang, der beginnend unmittelbar nach dem zweiten Weltkrieg mit seiner Malerei und seinen Privaten Aufzeichnungen (giornale intimo) das individuelle Schicksal eines Mannes und Künstlers verkörpert, der in einen Moment dramatischen Übergangs nicht nur eines Generationenwechsels sondern eines Epochenwechsels gerät.
Bereits 1966 hatte Arcangeli als erster mit Klarheit erkannt und beschrieben, wie dieser Künstler sich in die Ausweglosigkeit getrieben fühlte, der „als die Ernte auch für ihn zu reifen begann“ sich „vom drehenden Wind“ aus der Orientierung gebracht sieht. Und es war und würde nicht das erste und einzige Mal gewesen sein.
Um Francese wirklich verstehen und bewerten zu können, muss man ihn einerseits einordnen innerhalb der komplizierten Verhältnisse italienischer Kunst und Politik in dieser zweiten Nachkriegszeit, wo etwa „Realisten“ und „Abstrakte“ eine ausdrückliche Feindschaft pflegen, andererseits ihn in Beziehung setzen zu den neuen Tendenzen und Ausdrucksweisen (insbesondere des Informel) der europäischen und amerikanischen Kunst.
„Francese kommt also“ – schrieb bereits damals Arcangeli – „gerade in dem Moment als die italienische Wandlung ihre krisenhafte emotionsgeladene Zuspitzung erfährt und ist deshalb von einer bis jetzt unersetzbaren Aktualität.“
Franceses Malerei liegt die unabdingbare innere Notwendigkeit zugrunde, seinen Bildern und Themen eine menschliche Zeugenschaft des Lebens zu bewahren: Die äussere physische Welt mit dem inneren Ereleben zu verschmelzen, die objektive Präsenz der Dinge mit dem Wiederhall, den sie in den Tiefen einer Seele oder im Schweigen der Nacht finden.
Seine Malerei verortet sich hier, auf jenem delikaten, zerbrechlichen und subjektiven Grat, wo er versucht, die Welt nicht in sicheren Abbildungen wiederzugeben, sondern ihre Essenz herauszufiltern, nach dem Ungreifbaren zu streben, auf die Leinwand die Empfindung der Welt zu bringen.
„Die Konsistenz der Bilder auf die Probe zu stellen bedeutet, die Konsistenz der Welt selbst auf die Probe zu stellen“ schrieb Francese in seinen Aufzeichnungen. Dann fügte er hinzu „Was ist die Realität, wenn ich ein Maler bin? Jedes Konzept, jede Ideologie können mir nicht mehr als ein unnützes vertrocknetes Schema geben. Nur in den Bildern kann sich etwas möglicherweise Reales verdichten, pulsieren und ans Licht kommen. Die Welt als „objektiv“ sicher darzustellen, „bedeutet die Welt abzulöschen, unmenschlich zu machen.“
Indem er den ungreifbaren verschwimmenden Moment der Abenddämmerung gewählt hat und in die seelische Dimension innerer Wiederklänge hinabgetaucht ist, „hat sich Francese der Angst vor der Unsicherheit und vor dem Nicht-Definierbaren ausgesetzt“ (Tassi), ausgesetzt dem nächtlichen Unbehagen in der Abgeschlossenheit seines Ateliers.

Dort ist es, wo seine Themen und Allegorien Form annehmen. Von dort her nimmt die Andersartigkeit, von dort auch die berührende Einzigartigkeit seiner herausragenden in mancher Hinsicht vorbildhaften Malerei ihren Ausgang.

Claudio Guarda
Übersetzung Silke Balemi

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