Von 7. Mai bis zum 21 Juli 2007

Vor fünfzehn Jahren fand bei Matasci die letzte Käthe Kollwitz-Ausstellung statt, welche von der ersten umfassenden Monographie in italienischer Sprache zu dieser Künstlerin begleitet wurde. Jetzt widmet sich Matasci Arte erneut diesem Werk, sowohl mit einer breiten Auswahl ihrer Graphik als auch mit einer neuen Monographie von andersartigem kritischem Ansatz. Damit soll der menschli-chen und künstlerischen Geschichte dieser grossen deutschen Graphikerin und Bildhauerin kontinuierlich Stimme und Raum verliehen werden.
Kollwitz verwandelte die Kunst in ein Medium der Teilnahme am Schicksal ihrer Epoche, an den Qualen einer ganzen sozialen Schicht – also in ein ethisches Instrument der Teilhabe, Solidarität und Anklage, welches nicht so sehr bewegt wird von formalästhetischer Suche oder Anpassung an die aufkommenden Stile der Avantgarden sondern vielmehr von tiefer moralischer Notwendigkeit.

Vielleicht hat kein anderer moderner Künstler mit gleicher Kraft das Drama der Mütter im zwanzigsten Jahrhundert beschrieben, die Angst von Millionen von Frauen, deren Schicksal es war, Kanonenfutter zu gebären, Soldatensöhne dahingeschlachtet im „unnützen Gemetzel“ der beiden Kriege, welche Europa umgewälzt haben, aber auch Söhne und Töchter, die dahingerafft wurden von Hunger, Krankheiten, Arbeitslosigkeit und Armut, welche lange Zeit ganze soziale Schichten bedrückten.
Die 1867 geborene Künstlerin starb im April 1945. Fast zeitgleich mit dem Zusammenbruch Hitlerdeutschlands endete also das Leben dieser genialen „Feministin“ (ante litteram) und Pazifistin der Kunst, welche mit ihren erschütternden Bildern die Sozialkrise, welche die Weimarer Republik unmittelbar vor der Machtergreifung der Nationalsozialisten lähmte, zu einem tragischen universalen Epos erhob.
Die vorliegende repräsentative Ausstellung zeigt uns die stärkste Seite der Käthe Kollwitz: die Originalgraphiken und Erstabzüge, welche fünf thematische Zyklen signierter Blätter in den Techniken der Radierung, des Holzschnittes, der Lithographie umfassen, in welchen die Künstlerin ihre Gedanken und Energien konzentrierte, um in ihnen die ihr eigene pessimistische Vision der Welt in Schrei und Mahnung zu verwandeln. Auf die Zyklen „Ein Weberaufstand“ (1893-1897), „Bauernkrieg“ (1903-1908) folgen ab den zwanziger Jahren „Krieg“, „Proletariat“ und „Tod“: grossartige Werke intensivster zerrissener Figuration.

Domenico Montalto