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Bis 31. August 2010

“Zum See und darüber hinaus …“ – fünf Maler des Locarnese zwischen dem 19. und 20. Jahrhundert

Im Rahmen der Veranstaltungen zum künstlerischen Leben des Locarnese im frühen 20. Jahrhundert hat Matasci Arte eine Überblicksausstellung zu fünf Malern eingerichtet, für die der Verbano zumindest in biographischer Hinsicht den natürlichen Bezugspunkt bildete.
Den Anfang setzt Cherubino Patà, der 1827 in Sonogno geboren wurde und 1899 in Locarno starb. Das fesselnde Abenteuer seines künstlerischen Werdegangs vollzieht sich ausserhalb des Tessins: Zunächst in der Romandie, wo er seinen Lebensunterhalt als fahrender Bildnismaler verdient, sodann in Frankreich. Dort gelingt es ihm, einige seiner Werke im Salon von 1868 aufnehmen zu lassen und in Bekanntschaft mit dem grossen Courbet zu treten. Diesem schaut er nicht nur die handwerklichen Kniffe ab, sondern wird sein wichtigster Mitarbeiter, so dass er Courbet sogar bis ins schweizer Exil nach La-Tour-de-Peilz folgt, wo er ihm bis zum Tode nahebleibt.
Der See, seine Spiegelungen von Wasser und Himmel, Winkel und Plätze des Locarnese sind stattdessen unabdingbarer Bestandteil der Kunst von Filippo Franzoni (1857 – 1911), auch nachdem er den lombardischen Realismus hinter sich gelassen hat, um sich in die Poetik des Symbolismus hineinzubegeben, der die Stimmung einer Landschaft mit emotionsgeladenen Bildern aus Licht und Farbe erfasst: Ein Weg, der ihn bis zur visionären Dimension seiner letzten Malereien führt, welche mit seinen immer häufigeren Aufenthalten auf dem Monte Verità verbunden sind.
Solche Ansichten der Locarneser Landschaft finden wir – wenn auch auf jeweils andersartige Weise durchgespielt – ebenfalls in den Werken zweier weiterer bekannter Künstler der Region. Zunächst genannt sei Bruno Nizzola (1890 – 1963), der als Jugendlicher Franzoni kennenlernte und ihn bei einigen seiner Ausflüge zum Bosco Isolino begleiten konnte, bis er so davon fasziniert war, dass er selbst Maler werden wollte – jedoch nicht im glänzenden Licht des „Meisters“ sondern mit einer verschatteten Malerei, die mit ihrer nüchternen Tonigkeit und oftmals abgedämpften kreidigen Farben aufgeladen ist mit Schweigen und Melancholie.
Winkel, Dorf- und Stadtplätze, aus dem Leben gegriffene Szenen, menschlich geformte oder naturbelassene Landschaften finden sich auch in den Gemälden und im umfangreichen Holzschnittwerk von Giovanni Bianconi (1891 – 1981). Im Laufe der Jahrzehnte bewegt er sich zwischen Naturalismus und Expressionismus, zwischen Poesie und Ironie, zwischen Zensur und Bedauern, wenn er beispielsweise mit kritischer Distanz den Raubbau an der Landschaft, die zerstörerische Verwandlung von Dörfern und Städten oder das Vermächtnis von ritualhaften Traditionen beobachtet.
Eine Reihe von Gemälden Gaspare Scalabrinis beschliesst den Ablauf. Dieser fast unbekannte Maler wurde in Roveredo (Graubünden) geboren und zog nach Locarno, wo er 1949 starb. Im Gegensatz zu den anderen war er eher Figuren- als Landschaftsmaler: Landschaften sind immerhin vom Figur-Porträt aus deutlich erkennbar, welches noch von der akademischen Tradition des 19. Jahrhunderts geprägt ist, wobei dann die italienische „Novecento“-Bewegung anklingt in der Idealisierung der Formen, bevor diese sich dann gegen Lebensende in einer freieren, frischeren Malerei lösen.

Claudio Guarda
Übersetzung Dr. Silke Balemi

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